Aktuell Landesjugendpfarramt

Offener Brief: Werkstattbericht zur Prioritätensetzung

Offener Brief an die Synodalinnen und Synodalen der 7. Tagung der 48. Synode der oldenburgischen Kirche und alle Interessierten

Sehr geehrte Synodalinnen und Synodale,

mit großer Irritation nehmen Landesjugendpfarrer, Mitarbeitende im Landesjugendpfarramt und in den Kreisjugenddiensten den vom Oberkirchenrat vorgelegten Werkstattbericht zur Prioritätensetzung zur Kenntnis.

Diese Irritation bezieht sich sowohl auf den Inhalt des Berichts als auch auf das Verfahren seiner Erarbeitung und die diese begleitende Kommunikation.

Zum Verfahren und zur Kommunikation
Das Landesjugendpfarramt war in keiner Weise in die dem Bericht zugrundeliegenden Überlegungen eingebunden, geschweige denn, aktiv beteiligt. Im Gegenteil!

Jede Nachfrage, wie es denn um den Prioritätenprozess stehe (und wie dieser mit dem Prozess der Oldenburger Ortsbestimmung vermittelt werden solle, der übrigens genau gegenteilige Vorschläge unterbreitet wie der Werkstattbericht), wurde mit dem Verweis darauf, dass es sich um einen synodalen Prozess handele, weggewischt. Fachkompetenz war offensichtlich nicht erwünscht.

Diese einzubinden sei an späterer Stelle vorgesehen – schließlich sei der Bericht ja nicht mehr als eine „Diskussionsgrundlage“. Wäre es nicht andersherum sinnvoller gewesen?

Zum Inhalt
Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist laut Werkstattbericht ein Personalabbau von 50% vorgesehen. Die Kinder- und Jugendarbeit ist der einzige der im gesamten Bericht benannten Arbeitsbereiche, in dem strukturell gespart werden soll, während im Bereich der Gemeindepfarrstellen einfach die Gegenwart fortgeschrieben und im Bereich der Verwaltung die Entscheidung über konkrete Einsparungen schlicht vertagt wird.

Die im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit gerissenen Lücken werden in keiner Weise kompensiert und können nicht kompensiert werden, weil es sich beim Werkstattbericht nicht um einen geschlossenen konzeptionellen Entwurf für zukünftiges kirchliches Handeln handelt, sondern ganz offensichtlich um ein Konglomerat nicht aufeinander abgestimmter Einzelbausteine.

Strukturelle Einsparungen in einem Arbeitsbereich sind jedoch nur möglich, wenn diese strukturell und inhaltlich an anderer Stelle aufgefangen werden.

Was der Werkstattbericht faktisch fordert ist die Verabschiedung gelingender Kinder- und Jugendarbeit, die Verabschiedung der Gewinnung von jungen Menschen für den christlichen Glauben und für die Kirche, die Aufgabe einer ganzen Generation – und damit nicht weniger als der Zukunft unserer Kirche – zugunsten eines „Weiter so“ in anderen Bereichen, insbesondere im Bereich der parochialen-pfarramtlichen „Versorgung“.

Und nun?
Kinder und Jugendliche sind nicht nur die Zukunft unserer Gesellschaft, sondern auch unserer Kirche.

Jede Investition in Kirche muss – insbesondere angesichts des sich dramatisch wandelnden Verhältnisses von Kirchenmitgliedern zu Gesamtbevölkerung bei relativer Konstanz der Gesamtbevölkerungszahl auf dem Gebiet der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg – Investition in Kinder- und Jugendarbeit sein.

Der Werkstattbericht zum Prioritätenprozess setzt falsche Prioritäten und er setzt die Prioritäten falsch!

Einsparungen sind nötig und struktureller Umbau an verschiedenen Stellen ebenfalls. Zum Gelingen solcher Umbaumaßnahmen ist vieles nötig – mindestens aber eine von Beginn an offene und transparente Diskussion und die Beteiligung der betroffenen Fachleute: Diakoninnen und Diakone, Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten, Landesjugendpfarrer – und nicht zuletzt auch Vertreterinnen und Vertreter der Jugendverbände und damit derer, die die Zukunft unserer Kirche nicht nur noch erleben, sondern maßgeblich mitgestalten sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sven Evers
Landesjugendpfarrer

Den Brief gibt es hier auch als Download

1 Kommentar

  1. Recht hat er, der Landesjugendpfarrer!
    Vorschlag:
    Reformation mal leben, anstatt sie nur zu feiern während innerkirchliche Strukturen und Besitzstände immer weiter festgeschrieben werden.

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