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Schnupperpraktikum schärft Blick für die Anderen

Neunzig Jugendliche nehmen am 15. Szenenwechsel teil. Sie sind zwischen 15 und 18 Jahren und schlafen in den Osterferien nicht aus, sondern helfen in sozialen Einrichtungen im Oldenburger Land mit.

Neele Seeberg von der KGS Rastede hat sich für ihren Szenenwechsel vorgenommen, mit behinderten Kindern zu arbeiten. Im Diakonie-Kindergarten am Borchersweg hat sie erlebt, dass manche Kinder erst „in Deckung“ gehen, bevor sie Kontakt aufnehmen. Jetzt genießen die Kinder die Aufmerksamkeit der jungen Ferienhelfer. Laura Kindler vom Herbartgymnasium gibt neben der Schule noch Schwimmunterricht und wollte mal sehen, was die Kinder, denen sie das Schwimmabzeichen Seepferdchen abgenommen hat, sonst so machen.

Beide sind den ganzen Tag im Pädagogisch-Therapeutischen Zentrum am Borchersweg und mussten feststellen, man braucht viel Geduld. Besonders beim Essen. Unabhängig davon, ob Kinder eine Behinderung haben oder nicht. Laura hat in der Ergotherapie erlebt, wie schwer manchen Kindern bestimmte Bewegungen fallen. Trotzdem, ergänzt Friederike Thiel, sind die Kinder mit Behinderungen genauso rege wie die anderen Kinder. Und sie wollen das selbe machen wie die Anderen. Ein Tipp reicht und dann klappt es auch mit dem Sandkuchen.

Alle drei Szenenwechslerinnen fänden es für die Kinder cool, wenn noch mehr Jungen dabei wären. Männer spielen anders mit den Kindern, haben sie bei den Erziehern beobachtet. 10% der 90 Szenenwechsler sind männlich, rechnet Diakonie-Referent Theo Lampe vor. Die meisten Szenenwechsler interessiert die Möglichkeit eigene Erfahrungen in einem für sie neuen Bereich sammeln zu können. Das das Zertifikat über die Teilnahme sich auch bei späteren Bewerbungen gut machen würde, ist vielen weniger wichtig.

Beim Szenenwechsel geht es um eine persönliche Horizonterweiterung, fasst der Landesjugendpfarrer und Schirmherr Dr. Sven Evers zusammen. Mit dem Szenenwechsel wird der Blick für den Anderen geschärft. Das ist auch für jene gut, die später in einen harten wirtschaftlichen Beruf gehen, findet Evers.

Szenenwechsler werden jünger, stellt Lampe fest. Grund ist die verkürzte Schulzeit: Die Schüler der dreizehnten Klassen fehlen und die jetzigen Zwölftklässler sind schon voll im Abistress. Trotzdem hat sich das Konzept des Szenenwechsel bewährt: Jugendliche, die sich freiwillig in den Ferien engagieren, sind motivierter und neugieriger auf die Arbeit. Deswegen freuen sich viele Einrichtungen auf das einwöchige Kurzpraktikum.

Der Szenenwechsel ist eine Ökumenische Aktion von Caritas und Diakonie, Katholischer und Evangelischer Jugend.

Pressemitteilung der Diakonie im Oldenburger Land. Informationen zum Projekt Szenenwechsel gibt es im Internet unter www.szenen-wechsel.de.

auf dem Foto: Szenenwechsel-Schirmherr Dr. Sven Evers (hinten von rechts) und die Szenenwechsler Laura Kindler, Friederike Thiel, Neele Seeberg und Lea Huber im Pädagogisch-Therapeutischen Zentrum am Borchersweg nutzen das schönes Wetter zum Ausflug (Foto: DW)

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