Aktuell

Hochzeitsfieber in Mi’ilya

Zur Zeit besucht eine Gruppe der Ev. Jugend Oldenburg im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung Israel. Christian Heubach schickt regelmäßig Berichte und Fotos. Hier kommt der aktuelle „Newsletter“ aus Mi’ilya, in dem er einige Bilder kommentiert:


Workcamp-Besprechung

Nach zwei Tagen Workcamp im Schulgarten sollten wir weitere zwei bis drei Tage den Ort verlagern und auf dem Gelände des Gemeindezentrums der griechisch-katholischen Gemeinde arbeiten. Dazu kam es nicht, da der Priester nichts Entsprechendes organisiert hatte. So blieben wir in der uns schon vertraut gewordenen Landschaft und arbeiteten dort drei Tage länger. Am Ende unserer Zeit in Mi’ilya konnten wir das Projekt abschließen. Basam, ein Lehrer der Schule und Chef-Organisator des Kinder-Sommercamps, wird unsere begonnene Arbeit nun mit Schulklassen fortführen.

Geschenkübergabe

Die ganze Woche über war Mi’ilya im Hochzeitsfieber. An jedem Abend fanden an unterschiedlichen Orten Hochzeits-Vorbereitungsfeste statt, zu denen immer mehrere Hundert Personen kamen: Fest des Bräutigams, Fest der Braut, Polterabend mit 700 Gästen, Waschung des Bräutigams im Hammam und dann das eigentliche Fest. Nach der Trauung überreichen wir im Haus der Brauteltern unser Hochzeitsgeschenk.

Hochzeitsfest

Für solch eine Feierei benötigt man eine ständig wechselnde Garderobe, wenn man nicht gleich out sein will. Für uns Reisende mit 23 kg Fluggepäck ein unmögliches Unterfangen. Also bekamen wir Hochzeitkleidung von unseren Gastfamilien, sofern die Größen passten. Wir erlebten ein Fest der Superlative, ein Festzelt, in dem 1.400 Menschen an gedeckten Tischen Platz fanden. Essen satt; Getränke, was das Herz begehrte; süßen Nachtisch; Gedränge auf der Tanzfläche; Lifemusik von Feinsten – ein Fest bis in die frühen Morgenstunden.

Bar’am

Der Tagesausflug nach Ostgaliläa wurde auf den Samstag verschoben, am Tag nach dem Hochzeitsfest. Nach nur 4 Stunden Schlaf fuhren wir an die Grenze zum Libanon. Wir besuchten das christlich-arabische Dorf Bar’am, aus dem die Bewohner 1948 durch eine ethnische Säuberung durch den jungen Staat Israel aus ihren Dörfern vertrieben wurden. Man sagte ihnen, sie könnten nach 3 Wochen zurückkehren. Die Häuser sind zu Ruinen verfallen, nur ihre Kirche steht noch. Solang eine Glocke im Kirchturm hängt, bleibt dieses Gebäude vom Abriss verschont. Alle Dorfbewohner sind zu Flüchtlingen in ihrem eigenen Land geworden. Eine Rückkehr wird ihnen durch den israelischen Staat nicht erlaubt, da das Dorf zum militärischen Sicherheitsgebiet erklärt wurde. Eigentümlich ist, dass es in der direkten Nachbarschaft aber israelische Siedlungen gibt.

Grenze zum Libanon

Wir fuhren direkt an der Grenze zum Libanon entlang und hatten von den Hügeln eine gute Sicht hinüber ins nördliche Nachbarland. Wir sahen im sprichwörtlichen Sinn „eine verbrannte Erde“. Die Landschaft Israels in sattem grün und nördlich der Grenze von Israel erzeugte verbranntes Land, kaum Baum und Pflanzenwuchs, ein Ergebnis seiner kriegerischen Auseinandersetzung mit der Hisbollah im Südlibanon.

Banias-Wasserfall

Im Golangebirge unternahmen wir am Banias, einem Quellfluss des Jordan, eine Wanderung und stehen hier vor dem Wasserfall zu einem Gruppenfoto mit unseren Gastgeschwistern zusammen. Nach fünf Tagen schweißtreibender Arbeit tut solch eine Gemeinschaftserfahrung anderer Art gut und fördert die Kommunikation untereinander.

Tal des Schreiens

Auf der Fahrt an den Südhängen des Hermon-Berges kommen wir an der Syrischen Grenze auch durch das Tal des Schreiens. Das Golangebirge gehörte bis 1976 zu Syrien. Nach Besatzung und Okkupation durch Israel hat sich der Grenzverlauf verändert. Dörfer wurden auseinandergerissen, Familien getrennt. An dieser Stelle versammeln sich Menschen auf beiden Seiten der Grenze, um sich Familiennachrichten zuzuschreien – daher „Tal des Schreiens“.

Blick nach Syrien

Gegenüber der syrischen Stadt Quneitra erklimmen wir eine ehemalige israelische Bunkerstellung und schauen durch die Sehschlitze auf syrisches Territorium. Ein beklemmendes Gefühl beschleicht uns. Vor sechs Wochen kamen hier in der Nähe neun Palästinenser ums Leben, als sie versuchten die Grenze zu Israel von Syrien aus zu durchbrechen.

Letzter Abend in Mi’ilya

Unseren letzten Abend verbringen wir nach Rückkehr von den Golanhöhen mit Schweinefleisch-Grillen, Salaten, Humus, … im Innenhof der Grundschule. Schweinefleisch in Israel? – Nun ja, in Mi’ilya ist es möglich, denn das Dorf lebt von der Schweinezucht.

Dankesworte an die Gastfamilien, von denen wir uns am Sonntag verabschieden. Eine Einladung zu einem Gegenbesuch bei der ejo wird ausgesprochen – in zwei Jahren! Gemeinsam beschließen wir den Abend mit Liedern aus unserem Songbook.

Liebe Grüße aus Galiläa. Der nächste Bericht kommt vom Toten Meer, sofern wir am tiefsten Punkt der Erde Mails senden können!

Christian Heubach

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3 Kommentare zu “Hochzeitsfieber in Mi’ilya

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